BofA Bull & Bear Indikator
Stand: 09.08.2026
Was es ist
Der BofA Bull & Bear Indikator ist ein Stimmungsmesser von Bank of America (entwickelt vom Research-Team um Chefstratege Michael Hartnett), der wöchentlich veröffentlicht wird. Anders als eine reine Umfrage (“wie fühlen sich Anleger gerade?”) stützt er sich auf harte Marktdaten — er schaut also nicht darauf, was Anleger sagen, sondern wohin sie ihr Geld tatsächlich bewegen. Das Ergebnis ist ein Punktwert von 0 bis 10: 0 bedeutet extreme Panik, 10 bedeutet extreme Euphorie.
Ähnlich wie beim Marktsentiment allgemein gilt: Der Indikator wird konträr gelesen — extreme Werte gelten als Warnsignal, nicht als Bestätigung eines Trends.
Methodik — die vier Inputs
Der genaue Berechnungsweg ist proprietär (also nicht öffentlich einsehbar), basiert aber auf einer Mischung aus vier Datenkategorien:
- Positionierung institutioneller Anleger und Hedgefonds — vereinfacht: wie stark große, professionelle Investoren gerade auf steigende oder fallende Kurse gewettet haben (z. B. über Terminkontrakte, sogenannte Futures).
- Geldflüsse in Aktien- und Anleihefonds — ob gerade mehr Geld in solche Fonds hinein- oder aus ihnen herausfließt. Zuflüsse deuten auf Optimismus hin, Abflüsse auf Vorsicht.
- Globale Marktbreite — der Fachbegriff dafür ist “Breadth”: gemeint ist, wie viele Aktienindizes bzw. Branchen weltweit gerade über ihrem eigenen langfristigen Durchschnittskurs notieren. Je mehr Indizes darüber liegen, desto breiter wird ein Aufwärtstrend von vielen Werten getragen (nicht nur von wenigen Schwergewichten) — ein Zeichen von Stärke.
- Kreditmarkt-Indikatoren — vor allem der Aufschlag (Zinsdifferenz), den Unternehmen mit schwächerer Bonität gegenüber sicheren Staatsanleihen zahlen müssen (sogenannte “High-Yield-Spreads”). Steigt dieser Aufschlag, deutet das auf wachsende Nervosität an den Kreditmärkten hin — oft ein Frühwarnsignal, bevor es auch am Aktienmarkt unruhig wird.
Teilweise fließen zusätzlich Daten aus der separaten monatlichen BofA Fund Manager Survey ein — einer Umfrage unter über 200 institutionellen Fondsmanagern zu ihrer Risikobereitschaft und ihrem Anteil an Bargeld im Portfolio (eine hohe Cash-Quote gilt als vorsichtig, eine niedrige als risikofreudig). Diese Umfrage ist aber ein eigenständiges Instrument, keine Teilkomponente des Bull & Bear Indikators selbst.
Diese vier Komponenten werden zu dem einen Score von 0–10 zusammengefasst: 0 = extreme Panik/Bearishness, 10 = extreme Euphorie/Bullishness.
Signal-Logik: ein Kontraindikator
Der Indikator funktioniert klassisch konträr — die Logik: maximaler Crowd-Optimismus ist historisch ein guter Zeitpunkt zu verkaufen, maximale Panik ein guter Zeitpunkt zu kaufen.
| Schwelle | Signal | Bedeutung |
|---|---|---|
| > 8,0 | Sell Signal | Positionierung/Optimismus so überdehnt, dass wenig Raum für weiteres Upside bleibt |
| < 2,0 | Buy Signal | Panik-Extrem, historisch guter Einstiegspunkt |
Ein ausgelöstes Signal bleibt typischerweise 1–3 Monate aktiv.
Track Record
Seit 2002 gab es 17 Sell-Signale. Im Schnitt folgte in den 3 Monaten danach ein Rückgang globaler Aktien von 2–3 %, in Extremfällen mit einem “Drawdown” (dem Kursverlust von einem vorherigen Hoch bis zum darauffolgenden Tief) von 15–20 %. Der Indikator taugt also nicht dazu, den exakten Höchststand eines Marktes vorherzusagen — eher ist er ein rollierendes Warnsignal: Er zeigt an, dass das Risiko eines Rückschlags gerade erhöht ist, ohne den genauen Zeitpunkt zu nennen.
August 2026: Der Indikator stand bei 9,7 (nach 9,4 in der Vorwoche) — das erste Sell-Signal seit 2021, ausgelöst nach einer Phase spekulativer Euphorie, vergleichbar mit 2021.
Einordnung
Stärken
- Kombiniert mehrere unabhängige Datenquellen statt nur Stimmungsumfragen — dadurch weniger anfällig für reines “Talk”, da echte Positionierung und Flows einfließen.
- Lange Historie seit 2002 mit gut dokumentiertem Track Record.
- Klar definierte, leicht verständliche Schwellenwerte (2 / 8).
Schwächen
- Als Kontraindikator hat er eine gewisse Timing-Unschärfe: Ein Sell-Signal kann Monate zu früh kommen — der Markt kann trotz eines Extremwerts noch deutlich weiter steigen, bevor er tatsächlich dreht. Der Indikator eignet sich also nicht als Auslöser für kurzfristiges Trading, sondern eher als Risiko-Radar im Hintergrund.
- Die Methodik ist proprietär, das heißt: Bank of America legt die genaue Gewichtung der vier Komponenten nicht offen. Außenstehende können den Score deshalb nicht selbst nachrechnen oder überprüfen — man muss BofA an dieser Stelle vertrauen.
- Der durchschnittliche Kursrückgang nach einem Sell-Signal (2–3 %) ist überschaubar; die genannten 15–20 % sind Extremfälle, keine Regel. Wer nach jedem Signal einen Crash erwartet, überschätzt die Aussagekraft.
- Der Indikator wird nur wöchentlich aktualisiert — für kurzfristige Entscheidungen (Tage) ist er zu träge, da er kein Echtzeit-Signal liefert.
Quellen
- Will History Repeat? BofA Bull & Bear Indicator Flashes SELL Signal
- BofA’s famed sell signal for stocks is at its highest level since 2021
- BofA’s Bull-Bear Gauge Hits 9.7, Triggering First ‘Sell’ Signal Since 2021
- BofA Issues First Equity Sell Signal Since 2021 as Indicator Hits 9.7
- The bulls are too bullish: Bank of America warns 200-plus fund managers just triggered a contrarian ‘sell’ signal
- How to Read the BofA Bull & Bear Indicator