Hexensabbat / großer Verfallstag erklärt
Stand: 16.09.2026
Der Name klingt nach Aberglauben, meint aber einen ziemlich technischen Vorgang: Am “Hexensabbat” — international als Triple Witching Day bekannt — verfallen an denselben vier Terminen im Jahr gleich drei Arten von Derivaten auf einmal: Index-Futures, Index-Optionen und Optionen auf einzelne Aktien. Der Name “Triple” bezieht sich genau auf diese drei gleichzeitig auslaufenden Kategorien.
Wann und wie oft
Der Hexensabbat findet immer am dritten Freitag der letzten Monate eines Quartals statt: März, Juni, September, Dezember. Vier Termine im Jahr, exakt planbar, keine Überraschung.
Warum an diesem Tag so viel passiert
Millionen von Kontrakten laufen gleichzeitig aus. Institutionelle Marktteilnehmer, die Positionen über Futures und Optionen abgesichert oder aufgebaut hatten, müssen an diesem Tag entscheiden: glattstellen, in den nächsten Fälligkeitstermin rollen, oder tatsächlich ausüben lassen. Das erzeugt einen massiven, konzentrierten Handelsbedarf innerhalb weniger Stunden.
Konkret zeigt sich das im Umsatz: An einem gewöhnlichen Handelstag liegt der Aktienumsatz bei DAX-Werten zwischen acht und zwölf Milliarden Euro. An Verfallstagen verdoppelt oder verdreifacht sich dieses Volumen. In den USA konzentriert sich der Effekt besonders auf die letzte Handelsstunde, die “Triple Witching Hour”, oft begleitet von kräftigen, kurzfristigen Kursausschlägen.
Die zeitliche Staffelung an der Eurex
An der Eurex laufen die verschiedenen Derivategruppen nicht alle zur gleichen Sekunde aus, sondern nacheinander: Futures und Optionen auf die STOXX-Indexfamilie werden gegen 12:00 Uhr abgerechnet, DAX, TecDAX und MDAX gegen 13:00 bzw. 13:05 Uhr, Optionen auf Einzelaktien erst um 17:30 Uhr. In den USA liegt die eigentliche “Witching Hour” zwischen 15:00 und 16:00 Uhr Ortszeit, kurz vor Handelsschluss.
Was das für die Kursbewegung bedeutet
Der entscheidende Punkt für die Einordnung: Die Kursausschläge an Verfallstagen entstehen überwiegend aus technischen Zwangsbewegungen — Positionsauflösung, Absicherungsanpassungen, Arbitrage zwischen Kassa- und Terminmarkt — nicht aus neuen fundamentalen Informationen über die betroffenen Unternehmen oder die Wirtschaft. Ein starker Kursausschlag am Hexensabbat sagt deshalb wenig darüber aus, wohin sich eine Aktie oder ein Index in den folgenden Wochen entwickelt. Wer an diesen Tagen ungewöhnliche Bewegungen beobachtet, sollte sie eher als Rauschen aus dem Derivatemarkt einordnen als als Signal — ein Punkt, der sich strukturell mit der Warnung deckt, kurzfristige Kursreaktionen nicht automatisch mit fundamentaler Substanz zu verwechseln (siehe Sentiment vs. Fundamentaldaten).
Einordnung
Für die eigene Handelsplanung lohnt sich vor allem eines: den Kalender kennen und an diesen vier Tagen erhöhte Volatilität sowie ungewöhnliches Volumen als normal einordnen, statt sie überzuinterpretieren. Wer selbst Optionen oder Futures hält, sollte rechtzeitig vor dem Verfallstermin klären, ob eine Position ausläuft, gerollt oder glattgestellt werden muss.