FOMC-Termine, Zinsentscheide & "Fed Days"

Stand: 16.09.2026

Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank, kurz FOMC (Federal Open Market Committee), trifft sich achtmal im Jahr, um über den Leitzins zu entscheiden. Diese Termine — im Marktjargon “Fed Days” — gehören zu den zuverlässigsten Volatilitätsauslösern im gesamten Börsenjahr, planbar auf den Tag genau im Voraus.

Warum der Leitzins so viel bewegt

Der Leitzins (Federal Funds Rate) ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen — er wirkt aber weit über den Bankensektor hinaus: Er beeinflusst Hypothekenzinsen, Unternehmenskredite, Anleiherenditen und letztlich auch, wie hoch Aktien bewertet werden. Besonders empfindlich reagieren Wachstums- und Technologiewerte, weil ein Großteil ihres erwarteten Gewinns weit in der Zukunft liegt — steigen die Zinsen, wird dieser zukünftige Gewinn beim Abzinsen auf den heutigen Wert stärker “bestraft” als bei Unternehmen mit stabilen, kurzfristigeren Cashflows.

Drei Bestandteile eines Fed Days

Ein Fed Day besteht nicht aus einem einzigen Informationsblock, sondern typischerweise aus drei zeitlich versetzten Teilen:

  1. Die Zinsentscheidung selbst (in den USA meist um 14:00 Uhr Ostküstenzeit veröffentlicht) — die reine Zahl, oft bereits weitgehend vom Markt erwartet.
  2. Das begleitende Statement — der Text, der die Entscheidung einordnet und erste Hinweise zur künftigen Richtung (“Forward Guidance”) gibt.
  3. Die Pressekonferenz des Fed-Vorsitzenden rund 30 Minuten später — hier entsteht oft die eigentliche Kursbewegung, weil Journalistenfragen Nuancen offenlegen, die im schriftlichen Statement nicht standen.

Untersuchungen zu den Marktreaktionen zeigen ein bemerkenswertes Muster: Die Volatilität während der Pressekonferenzen liegt deutlich höher als am reinen Ankündigungszeitpunkt der Zinsentscheidung — und nicht selten kehrt sich die erste Kursreaktion auf das schriftliche Statement im Verlauf der Pressekonferenz sogar um. An FOMC-Tagen insgesamt liegt die Volatilität im Schnitt rund 15–20 % höher als an gewöhnlichen Handelstagen.

Warum die Entscheidung selten überrascht, die Formulierung aber schon

Der eigentliche Zinsschritt wird heute meist über Fed-Funds-Futures und Analystenumfragen im Vorfeld mit hoher Genauigkeit antizipiert — echte Überraschungen bei der reinen Zahl sind selten geworden. Was den Markt trotzdem bewegt, ist die Sprache: ob die Fed sich “datenabhängig” gibt oder eine klare Richtung andeutet, wie sie Inflation und Arbeitsmarkt einordnet, und — viermal im Jahr zusätzlich — der sogenannte “Dot Plot”: eine anonymisierte Übersicht, wo jedes einzelne Ausschussmitglied den Leitzins in den kommenden Jahren erwartet. Verschiebt sich dieser Dot Plot merklich gegenüber der letzten Version, kann das für mehr Kursbewegung sorgen als die eigentliche Zinsentscheidung.

Einordnung für die eigene Analyse

Fed Days lassen sich, anders als die meisten anderen Marktereignisse, exakt im Voraus terminieren — der Fed-eigene Kalender listet alle Termine für das laufende und kommende Jahr. Für die Einordnung zählt weniger die Frage “hebt oder senkt die Fed”, sondern ob das Ergebnis von der bereits eingepreisten Markterwartung abweicht — dasselbe Grundprinzip wie bei Quartalszahlen (siehe Warum Aktien nach guten Zahlen fallen): Nicht die Nachricht selbst bewegt den Kurs, sondern die Differenz zur Erwartung.

Quellen